„Make Döner – not Facebook“

Scheitern und darüber reden: Die Fuckup Night bei Partake

Die wichtigsten Erkenntnisse eines Abends: 1. Das Leben ist zu kurz, um mit Arschlöchern zusammenzuarbeiten. 2. Manchmal muss man einfach alle liebgewonnenen Beziehungen kappen, damit es weitergehen kann. 3. Auch nach einem grandiosen Scheitern kann man zu dem Ergebnis kommen: Es war toll und wir würden es genauso wieder machen!

fuckup-night-content

Das Scheitern und vor allem das Reden darüber zeichnen die Fuckup Night aus, deren vierte Auflage im Innovation Lab von Partake stattfand. Etwa 220 Interessierte drängten sich in der „Hall of Shame“ rund um das Podium. Dort berichteten drei Gründer von ihrem beruflichen und diesmal auch von einem sehr persönlichen Scheitern. Sie alle machten deutlich, dass man den Misserfolg keineswegs betreten unter den eigenen Teppich kehren muss. Es kann sehr befreiend und vor allem auch unterhaltsam sein, öffentlich darüber zu reden und aus den eigenen Fehlern und denen der anderen zu lernen.

Das zeigte etwa Thomas Wenzel mit seiner Digitalagentur ESC58. Mit seinem Team entwickelte er die Führerschein App „Fahrschool“, mit der Teenies für die Führerscheinprüfung büffeln sollten, und fuhr damit geradewegs in die Pleite. Das war vor etwa zehn Jahren – als bei den Handys das Tastenfeld noch deutlich größer als der Bildschirm und eine permanente Internetverbindung purer Luxus war. Schon unter diesen Voraussetzungen war die App zum Scheitern verurteilt, hinzu kam die viel zu geringe Speicherkapazität der Mobiltelefone. So hatten die Entwickler große Probleme, überhaupt alle Bilder der Fahrschul-Bögen in die App zu pressen. Die lange Entwicklungszeit von rund 15 Monaten tat ihr Übriges und trotz verschiedenster Promotions- und Kooperationsdeals gelang es nicht, genug Geld einzufahren. Schließlich drängten das iPhone und Android auf den Markt – und der Fuckup war besiegelt.

Dass die Fuckup Night nicht nur ein Podium für berufliches, sondern auch für persönliches Scheitern sein kann, zeigte Ruth Berry in ihrem sehr emotionsgeladenen Beitrag. Die Engländerin führte parallele Liebesbeziehungen zu einem Mann und einer Frau, konnte sich nicht entscheiden und geriet damit geradewegs ins Dilemma. Auch das schwierige Verhältnis zu ihren Eltern trug seinen Teil zum persönlichen Fiasko bei. Erst als sie erkannte, dass sie alle Beziehungen beenden muss, damit es weitergehen kann, konnte sie wieder zu sich selbst finden. Ihr eigenes Business, die Black Isle Bakery, hat das Ganze immerhin überlebt. Gegründet in London zog ihr Label mit nach Berlin um, wo sie heute lebt und ihre Backwerke kreiert.

Besser auf dem Teppich bleiben

Höher, schneller und weiter war hingegen das Motto für den dritten Redner, Darius Moeini. Er verkörpert den Business Typ durch und durch und landete nach Stationen in Saarbrücken, Saudi Arabien und New York City in Berlin. Er platzte dabei fast vor Selbstüberzeugung und wollte der ganzen Stadt zeigen, wie das mit dem Startup gründen funktioniert. Er brachte ein lokales Bewertungsportal – ähnlich yelp- an den Start und ging grandios damit baden. Mehrfach sogar. Zunächst versuchte er es allein, beim zweiten Mal dann gemeinsam mit eingangs erwähntem Arschloch als Geldgeber. Was die Erkenntnis in ihm reifen ließ: Versuche nicht im Stil eines Mark Zuckerberg „das nächste große Ding“ aufziehen, sondern tu einfach das, was du kannst. Oder kurz: Make Döner – not Facebook.

Was alle drei Gescheiterten in ihren Beiträgen deutlich machten: Untergehen ist nicht schlimm. Egal mit wieviel Liebe zum Detail man arbeitet oder ob man noch so viel Aufwand in ein Projekt steckt – aus irgendwelchen Gründen kann es trotzdem schief laufen. Dann akzeptiert man die Niederlage und macht weiter. Oder wie Thomas Wenzel es auf den Punkt brachte: „Du gibst 200 bis 300 Prozent für dein Projekt und wenn‘s trotzdem nicht funktioniert – dann isses halt so!“


elisabeth„Make Döner – not Facebook“