Design Thinking

Republik schießen Design Thinking-Schools aus dem Boden, schmücken Uniabsolventen sich mit dem Titel „Design Thinker“ und schicken Unternehmen ihre Mitarbeiter in „DT“-Workshops und -Coachings.
Design Thinking wirkt wie der Heilsbringer, auf den die Wirtschaft so sehnsuchtsvoll gewartet hat. Aber was macht Design Thinking eigentlich? Und was macht es so grundsätzlich anders als andere Methoden zur Problemlösung und Ideenfindung?

Ganz grundsätzlich „zwingt“ Design Thinking seine Anwender, ein Problem aus einer anderen Perspektive zu betrachten – und zwar der Perspektive des Kunden. Es gilt, Empathie dafür zu entwickeln, wie ein Problem am besten im Sinne des Kunden zu lösen ist. Kurz: Die Kundenwünsche stehen im Zentrum.

Diese direkte Orientierung an den Needs der Kunden ist es, die das größte Potential für disruptive Geschäftsmodelle birgt. Natürlich können wir uns im Markt umgucken und Produkte ausmachen, die ineffizient sind und besser funktionieren könnten – wie z.B. der Service der Deutschen Bahn. Wir könnten ein Produkt entwickeln, das ein Maximum an Pünktlichkeit und ein Minimum an nörgelnden Service-Mitarbeitern verspricht. Aber würden wir damit wirklich neue Wege gehen oder bloß auf bestehenden Schienen fahren? … Eben.

Die Customer-Centricity macht Design Thinking zu dem was es ist und Produkte oder Dienstleistungen zu dem, was es haben zu müssen gilt: „Wie bin ich mein ganzes Leben nur ohne Car2Go, Airbnb oder das iPhone ausgekommen?“

Design Thinking ist so anwenderfreundlich und facettenreich wie ein Schweizer Taschenmesser: Du packst es aus und wendest es ohne Vorkenntnisse an. Du bist kreativ, ohne Designer sein zu müssen.

Von der Kritzelei bis zum marktreifen Endprodukt durchläuft eine Idee die sechs Phasen des Design Thinking-Prozesses:
Wir müssen zunächst verstehen (1), was die konkreten Bedürfnisse des Kunden sind und beobachten (2), ob und wie diese momentan befriedigt werden. Aus den daraus gesammelten Erkenntnissen wird ein Standpunkt (3), oder besser, eine eindeutige – und leidenschaftliche – Haltung entwickelt, die auf Annahmen basiert. Um bei car2Go zu bleiben, könnte diese wie folgt aussehen: „Die Leute wollen nicht mehr die Kosten für die Nichtnutzung eines eigenen Autos zahlen. Sie wollen flexibel und frei von A nach B kommen – dabei schlägt IT Karosserie“ Mit dieser Haltung geht es in die Ideenfindung (4). Das Schlagwort dieser Phase lautet „Iteration“ – es darf solange gestolpert werden, bis eine Idee auf eigenen Beinen stehen kann. Im Prototyping (5) wird ein Dummy entwickelt und permanent auf mögliche Schwachstellen getestet (6). Steht am Ende keine Idee, bei der der Markt „Hurra“ schreit, geht man einen oder mehrere Prozessschritte zurück und justiert nach.

Während des gesamten Prozesses sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Im Gegenteil: sie wird durch innovative Möbel, Tools und Techniken sogar weiter vorangetrieben.
Damit beim Design Thinking in puncto Kreativität aus den Vollen geschöpft werden kann, sind ein paar Spielregeln hilfreich, die ihr Richtung geben: So müssen Titel und Kritik draußen bleiben; sollte auf den Ideen anderer aufgebaut werden; ist wildes und visuelles Arbeiten, bei dem frühzeitig und oft Fehler gemacht werden dürfen, zentral; gilt es, so viele Ideen wie möglich zu sammeln, Spaß zu haben, fokussiert zu bleiben und nicht zu reden, sondern zu machen!

Im Rahmen des Design Thinking-Prozesses werden Ideen binnen kürzester Zeit entwickelt, verworfen, konkretisiert und kontinuierlich verbessert, so dass am Ende eine starke Idee steht, die erfolgreich im Markt bestehen kann.


elisabethDesign Thinking